Pilze sammeln: Regeln, Ausrüstung, Verhalten

Wer Pilze sammelt, sollte nur Arten mitnehmen, die er sicher kennt, und jeden Fund vor dem Essen einem Pilzsachverständigen zeigen.

Sammle nur Pilze, die du sicher kennst, trage sie in einem luftigen Korb und löse sie vollständig samt Stielbasis aus dem Boden. Nimm nur frische, unversehrte Pilze mit, halte die Arten getrennt und lass jeden Fund vor dem Verzehr persönlich von einem Pilzsachverständigen prüfen. Wie viel du mitnehmen darfst, regeln Gesetze und Verordnungen, siehe Pilze sammeln: Was ist erlaubt?

Ablauf: vor dem Sammeln, im Wald, danach

Die folgenden Schritte folgen den Hinweisen der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) zum Pilzesammeln. Sie ersetzen weder Artenkenntnis noch die Prüfung durch einen Pilzsachverständigen.

Vor dem Sammeln

  1. Kläre, ob du am Fundort sammeln darfst und wie viel. In Naturschutzgebieten und Nationalparks gelten oft besondere Regeln, einige Arten sind geschützt. Mehr dazu steht unter Pilze sammeln: Was ist erlaubt?

  2. Nimm nur Arten mit, die du sicher kennst. Alles andere bleibt im Wald oder wird, wenn du es bestimmen lassen willst, getrennt transportiert.

  3. Meide Standorte, an denen sich Schadstoffe anreichern können. Die DGfM nennt ehemalige Truppenübungsplätze, erzreiche Gebiete, Bergbauareale, Industriestandorte und Emissionsgebiete wie verkehrsreiche Straßen.

Im Wald

  1. Löse den Pilz vollständig samt Stielbasis aus dem Boden. Bei Lamellenpilzen sitzen an der Stielbasis wichtige Merkmale, die ein Pilzsachverständiger prüft. Abschneiden oder Herausdrehen ist für das Myzel laut DGfM gleichwertig.

  2. Lege die Pilze in einen Korb, in dem sie luftig liegen. In einer Plastiktüte „schwitzen“ sie und zersetzen sich schnell.

  3. Halte die Arten getrennt. Unbekannte Pilze gehören nicht zu den Speisepilzen, denn schon kleine Teile eines giftigen Pilzes können den ganzen Korb verderben.

  4. Nimm nur junge, frische und unversehrte Pilze mit. Maßstab ist die Qualität, die du auch beim Einkauf erwarten würdest. Überalterte oder sehr große Exemplare lässt du stehen, ebenso ganz kleine Pilze, deren Merkmale noch nicht ausgebildet sind.

  5. Putze grob schon am Fundort, zum Beispiel mit einem Pilzmesser mit Pinselborsten. Erde und Pflanzenteile bleiben so im Wald.

  6. Nimmst du zur Prüfung einen unbekannten Pilz mit, rät die DGfM zu zwei bis drei Exemplaren in möglichst unterschiedlichen Entwicklungsstadien.

  7. Verhalte dich rücksichtsvoll: Parke nur auf dafür vorgesehenen Plätzen, leine Hunde an, betritt keine Schonungen oder frisch gepflanzten Flächen, meide Forstarbeiten und nimm deinen Müll mit.

Danach

  1. Zeige alle Funde persönlich einem Pilzsachverständigen, auch Sammelgut, das schon im Kofferraum oder Kühlschrank liegt, und lege vollständige Fruchtkörper vor. Eine Bestimmung per Foto, Nachricht oder Anruf ist DGfM-Pilzsachverständigen untersagt. Die DGfM betont, dass die Beratung der Artenkenntnis dient, nicht der Mahlzeit. Hinweise zur Suche findest du unter Pilzberatung und Pilzsachverständige.

  2. Iss keinen Pilz, der nicht sicher bestimmt oder von einem Pilzsachverständigen freigegeben wurde. Pilz-Apps eignen sich nach Angabe des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) für eine allgemeine Orientierung, erlauben aber oft keine eindeutige Identifizierung; eine zuverlässige Erkennung ist keineswegs gewährleistet, deshalb sollten sie nur mit großer Vorsicht verwendet werden.

  3. Bereite Pilze frisch zu und iss sie nicht roh. Das BfR empfiehlt, jede Pilzmahlzeit mindestens 15 Minuten zu kochen. Auf Wildpilzen können außerdem Eier des Fuchsbandwurms haften; laut BfR werden sie bei 60 bis 80 °C nach mindestens fünf Minuten abgetötet.

Mein Tipp

Sammle lieber weniger und dafür gezielt. Jeder Pilz, den du später nicht prüfen lassen kannst oder willst, gehört nicht in den Korb.

Bei Übelkeit, Bauchschmerzen oder anderem Unwohlsein nach einer Pilzmahlzeit: sofort ärztliche Hilfe oder ein Giftinformationszentrum kontaktieren, Reste der Mahlzeit aufheben und alle informieren, die mitgegessen haben. Das Vorgehen steht unter Notfall bei Verdacht auf Pilzvergiftung.

Ausrüstung

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Für den Einstieg brauchst du ein Messer mit Bürste, einen luftigen Korb und ein Bestimmungsbuch. Ein Messer erleichtert das saubere Bergen und Putzen, einen Korb statt einer Tüte fordert die DGfM ausdrücklich.

Pilzmesser

ModellBesonderheitLink
Sagaformmit SegeltuchfutteralAnsehen (Anzeige)
Esschert Designmit Pinsel und LinealAnsehen (Anzeige)
AusoniaKlappmesserAnsehen (Anzeige)

Korb und Lupe

Ein Weidenkorb hält die Pilze luftig: Pilzkörbe bei Amazon suchen (Anzeige). Eine zehnfache Lupe hilft, Einzelheiten genauer zu betrachten: Faltlupen bei Amazon suchen (Anzeige). Auch mit Lupe gilt: Die Bestimmung bleibt Sache des Pilzsachverständigen.

Bestimmungsbuch

Ein Buch hilft dir, Arten kennenzulernen, ersetzt aber nie die Prüfung durch einen Pilzsachverständigen. Für den Einstieg zeigt Laux und Gminder, „Essbare Pilze & ihre giftigen Doppelgänger“ (Anzeige) 175 Arten in Spiralbindung. Fürs Mitnehmen gibt es den Kosmos Pilzführer für unterwegs (Anzeige) im Taschenformat mit 165 Pilzen. Weitere Titel vergleicht die Schwesterseite unter Pilzbestimmungsbuch im Vergleich.

Belastung: Schwermetalle und Radioaktivität

Wildpilze können Stoffe aus dem Boden anreichern. Das betrifft Schwermetalle und, in einigen Regionen, radioaktives Cäsium-137.

Schwermetalle

Laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) können Wildpilze Blei, Quecksilber und Cadmium anreichern. Wer regelmäßig Wildpilze isst, sollte pro Woche nicht mehr als 200 bis 250 Gramm verzehren. Dieselbe Menge nennt das BfR in seinen Verbrauchertipps, dort mit dem Zusatz, dass gegen gelegentlichen Verzehr auch größerer Mengen keine Bedenken bestehen und Kinder entsprechend ihrem Körpergewicht weniger essen sollten. Die Verbrauchertipps stammen aus den Jahren 2002 und 2003. Die Stiftung Warentest rät (Artikel vom 8. Oktober 2021), dass Schwangere, Stillende und Kleinkinder vorsichtshalber auf Wildpilze verzichten.

Radioaktives Cäsium

Das Cäsium-137 stammt vor allem aus dem Reaktorunfall von Tschornobyl 1986. Das BfS untersucht jedes Jahr Wildpilze von ausgewählten Standorten in Bayern. Die wichtigsten Aussagen aus den Pressemitteilungen von 2024 bis 2026:

  • Für Pilze im Handel gilt ein Grenzwert von 600 Becquerel (Bq) Cäsium-137 pro Kilogramm Frischmasse. Er gilt nicht für selbst gesammelte Pilze.
  • Erhöhte Werte treten vor allem im Bayerischen Wald und angrenzenden Gebieten, im Donaumoos südwestlich von Ingolstadt, in der Region Mittenwald und im Berchtesgadener Land auf.
  • Im aktuellen Bericht (Messwerte 2023 bis 2025) lagen Maronenröhrlinge, Trompetenpfifferlinge und weitere Arten in einzelnen Proben über 1.000 Bq/kg, Semmelstoppelpilze an einem stark belasteten Standort im Bayerischen Wald sogar über 2.000 Bq/kg.
  • Bei Braunschuppigem Riesenchampignon, Dunkelfaserigem Champignon, Hasenröhrling, Riesenporling und Sternschuppigem Riesenschirmling lagen die Werte unter 5 Bq/kg.
  • Für eine Maronenröhrling-Probe mit rund 1.400 Bq/kg rechnet das BfS vor: Wer wöchentlich 200 Gramm davon isst, nimmt dadurch eine zusätzliche Dosis von 0,18 Millisievert pro Jahr auf.
  • Zuchtpilze wie Champignons, Austernseitlinge und Shiitake enthalten laut BfS generell wenig Cäsium.

Das BfS hält es nach 40 Jahren in ganz Deutschland für unbedenklich, selbst gesammelte Pilze in üblichen Mengen zu essen. Entscheidend ist die insgesamt aufgenommene Menge. Wer die zusätzliche Strahlendosis möglichst klein halten möchte, sollte nach Angabe des BfS (2024) in den besonders betroffenen Gebieten auf potenziell stark belastete Pilzarten verzichten.

Wie viel darf ich mitnehmen?

Das Bundesnaturschutzgesetz erlaubt die Entnahme von Pilzen „in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf“, einige Arten sind zusätzlich besonders geschützt. Welche Arten das sind, wo Verbote gelten und was zur Menge bekannt ist, steht auf einer eigenen Seite: Pilze sammeln: Was ist erlaubt?

Häufige Fragen

Warum kein Plastikbeutel?

Pilze „schwitzen“ in Plastik und zersetzen sich dort schnell. Die DGfM rät deshalb zu einem Korb, in dem sie luftig liegen.

Abschneiden oder herausdrehen?

Für das Myzel ist beides laut DGfM gleichwertig. Wichtig ist, dass der Fund vollständig bleibt: Bei Lamellenpilzen liegen wichtige Merkmale an der Stielbasis, die der Pilzsachverständige prüft. Hebe den Pilz deshalb vorsichtig mit der Stielbasis aus dem Boden.

Sind Wildpilze aus dem eigenen Wald gefährlich belastet?

Das hängt von Region und Art ab. Das BfS nennt für übliche Mengen keine Bedenken, verweist aber auf einzelne Gebiete in Süddeutschland und Arten wie den Maronenröhrling mit teils deutlich erhöhten Cäsium-Werten. Für Schwermetalle gilt die Empfehlung von höchstens 200 bis 250 Gramm Wildpilzen pro Woche bei regelmäßigem Verzehr.

Quellen